🎤 Kostproben Poetryslam

Poetry Slam für Menschen in Gefängnissen – Texte, die Mut machen und Wege weisen.

Du kennst mich nicht

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Du kennst mich nicht

Ich kenn Dich auch nicht

Noch nicht.

Wer bist du?

Wie heißt Du?

Vor ein paar Jahren

haben wir uns vielleicht getroffen

auf einem Platz

in einer Kneipe

beim Fußball

oder

auf der Straße irgendwo

oder auch nicht

Wo ich rumgelaufen bin

bist vielleicht auch Du rumgelaufen

Aber, ich kannte dich nicht

oder war mit anderen Sachen beschäftigt

oder Du warst mit anderen Sachen beschäftigt

und hast mich nicht gesehen

oder hast mich gesehen und gedacht:

Der ist alt, doof, zu blöd

Oder, wir sind uns nie begegnet

Warum auch.

Viele laufen aneinander vorbei

und haben nichts miteinander zu tun

Es könnte aber sein,

dass wir uns kennengelernt

und auch etwas angefreundet haben

einfach so

weil ich dich nett fand

oder Du mich

Was haben wir miteinander gemacht?

Manches

vieles -

vielleicht

Aber, wir haben uns nie getroffen.

Oder doch?

Nur so mal überlegt:

Was wäre anders,

wenn wir zum Beispiel geplant hätten

auf einen Berg zu steigen.

Gemeinsam.

Vielleicht ist das kein gutes Beispiel.

Um gemeinsam auf einen Berg zu steigen

muss einer den anderen schon besser kennen

Sagen wir mal, wir hätten was getrunken

in der Bahnhofskneipe zu Beispiel

an der Theke.

Und ich hatte Dich gefragt, was du so machst

und Du mich, was ich so mache.

Könnte ja sein.

Wäre dann was anders?

Könnte ja sein.

Ich hätte vielleicht meinen Zug verpasst,

weil es so spannend war, was du mir erzählt hast.

Was hast Du mir erzählt, was ich so spannend fand?

Gibt es da etwas, was Du sonst niemand erzählst

Auch Deinen Freunden nicht?

Wie Du bist,

was Du tust,

was Du denkst.

Ich habe keine Ahnung,

was es gewesen sein könnte.

Es muss mich aber sehr interessiert haben,

sonst hätte ich den Zug nicht verpasst.

Leider habe ich Dich nicht getroffen,

da am Bahnhof

und wir haben keinen Plan ausgedacht

etwas gemeinsam zu unternehmen.

Vielleicht hättest Du mich gefragt:

Was machst Du so?

Und ich hätte es Dir erzählt.

Und Du hättest das irgendwie interessant gefunden.

Später hätten wir uns noch oft treffen können

oder haben uns getroffen,

immer, wenn ich wieder in der Stadt war.

Wen Du es wolltest

oder

wenn ich es wollte

Und einmal sind wir auch, viel später,

gemeinsam auf einen Berg gestiegen

Du fröhlich und mit Kraft voraus,

ich etwas außer Atem,

aber immerhin

Hat sie etwas verändert in meinem Leben

diese Freundschaft?

Für mich?

Für Dich?

Mit wem ich befreundet bin,

das verändert mich immer,

weil ich dann so sein möchte wie Du

und Du vielleicht auch etwas wie ich.

Wir erzählen uns, was wir gut finden

oder auch, was wir nie tun wollten

aber getan haben

was wir uns wünschen

und was wir meiden wie die Pest.

Freundschaft. Da färbt immer etwas ab.

Wir haben uns nicht getroffen.

Das ist sehr schade.

Für beide?

Für Beide.

Wir können uns aber vorstellen,

wir wären befreundet.

Schön wäre das.

Was wir uns vorstellen,

das kann schon so etwas wie Freundschaft sein.

Du kennst mich nicht

Ich kenne Dich nicht.

Noch nicht.

In unseren Köpfen aber,

haben wir uns längst kennen gelernt.

Ob eine Freundschaft daraus wir?

Wer weiß.

Vielleicht, in ein paar Jahren,

denke ich,

wenn ich nicht zu alt bin

könnten wir uns treffen

und über unsere Freundschaft reden.

Und lachen.

Es komisch finden,

weil wir uns so lange nicht gesehen haben

und

uns erzählen, wie da so war...

Spannen wäre das.

Ich freue mich jetzt schon.

Ich bin ich und du bist du

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Ich bin ich und du bist du. Ich steh hier, du hörst mir zu. Will ich über dich was wissen, bin ich ziemlich aufgeschmissen.

Wenn du hier an meiner Stelle stehen könntest, auf die Schnelle könnte ich von dir erfahren, wie die letzten Jahre waren, was du hattest wegzuräumen zwischen deinen Fieberträumen und so manche anderen Sachen, die dich vielleicht wütend machen?

Bist du cool? Ganz sicherlich. Immer fröhlich? - Sicher nicht!

Du und ich - ganz ohne weder, Blödsinn oder Mist macht jeder, pumpst den Reifen auf - zu viel. Plötzlich platzt das Spaß-Ventil.

Tricks, damit hats angefangen, Frust, weil viele uns misslangen.

Dir und dem und mir, uns allen ist viel Blödsinn eingefallen

Der Unterschied - aus meiner Sicht ist klein und hundsgemein, denn keiner hat mich mal erwischt.

Wie leicht, wenn einer mich geblitzt, säße ich grad da, wo du jetzt sitzt.

Wer frecher ist von uns zwei beiden Ist, ehrlich, kaum zu unterscheiden.

Es gibt so viele tausend Sachen, die mich zu dem, was ich bin machen

In einem dumpfen Elternhaus bleib ich da drin? Flieh ich da raus? Wenn falsche Freunde mich betrügen? Spiel ich damit und lerne lügen?

Und plötzlich, was mich überrollte, tu ich nur das, was ich nie wollte.

Wie leicht, wenn einer mich geblitzt, säße ich grad da, wo du jetzt sitzt.

Schwer, was gerecht ist, zu verstehen und wer begreift denn mein Vergehen und das Warum und diese Dinge, die ich oft durcheinander bringe...

Wenn du jetzt hier an meiner Stelle reden wolltest, auf die Schnelle könnte ich von dir erfahren, wie die letzten Jahre waren, was du hattest wegzuräumen zwischen deinen Fieberträumen und so manche andren Sachen, die dich vielleicht glücklich machen?

Das Gute ist, wenn ich erkenne, dass ich nur gegen Wände renne, ja, wenn ich zu mir sagen muss, verdammt noch mal: jetzt endlich! Schluss!

Ich kann den Karren anders lenken, Ich muss nur vieles neu bedenken

Es spricht so einiges dafür. Mir hilft dabei ein Stück Papier, mit Kreisen, Kringeln und in Spalten mit Bleistift etwas festzuhalten und die Gedanken zu sortieren, die mich seit langem schon frustrieren.

Oft wird daraus ein Slam Gedicht, denn etwas Andres ist das nicht.

Nicht nur für dich zum Zeit vertreiben, ein Slam-Gedicht kann jeder schreiben. Es hilft ein wenig aufzutauen und nebenbei Frust abzubauen

Was ich bisher nicht leicht erreicht, das Slam-Gedicht, hilft mir vielleicht, beim Spielen, so mit den Ideen, da kann ich manches ehr verstehen, das sind ja manchmal diese Sachen, die uns vielleicht Vergnügen machen.

Was ich so wünsche im geheimen, schreibe ich mir auf in zwanzig Reimen. Auch was du denkst, kannst du in schlichen Slam-Versen mega leicht verdichten.

Denn ich bin ich und du bist du. Ich stehe hier und hör dir zu. Wie schön, wenn du mich unterhältst und mir von dir etwas erzählst...

Das ist sehr spannend. Und was dann? Wir fangen was gemeinsam an. Es ist doch toll, so gut und wie - Viel Spaß bei unsrer Poesie.

Woher soll ich wissen was ich denke

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Woher soll ich wissen was ich denke

Die ersten Zeilen sind der Titel eines Buches über Hirnforschung von Franca Parianen. Aufgegriffen hat sie Gedanken von Heinrich von Kleist: Über das allmähliche verfertigen der Gedanken beim reden

Woher

soll ich wissen

was ich denke

bevor ich höre

was ich sage?

weiß ich,

was ich denke?

denke ich,

was ich sage?

warum soll ich denken

was ich höre

oder

sagen, was ich nicht weiß?

ich sehe dir in die Augen

ich höre deine Stimme

ich denke AN DICH

aber - sage ich wirklich

was ich meine?

was meine ich denn?

Was ich über Dich gehört habe?

oder das, was ich sehe

oder fühle

oft denke ich

was ich nicht höre

und sehe

was ich nie wissen werde.

also:

wenn ich dich sehe

weiß ich

was ich denke

und höre

was ich fühle?

aha!

was ich fühle

höre ich

oder denke zumindest

was ich höre

oder sehe ich nur

was ich fühle?

Verrückt.

Ich sehe dir in die Augen

und sehe was du fühlst?

ich fühle dich

wenn ich dich umarme

aber,

ich sehe dich nicht!

beim Küssen -

Sehe ich dich?

Ich sehe dich nicht.

Ich schließe meine Augen

damit ich dich besser fühlen kann

Ich sehe nicht

was ich höre

Ich kann oft nicht hören

was ich sehe

und was ich rieche?

Das kann ich nicht hören

nicht sehen

nicht fühlen

oder alles gemeinsam?

Höre ich

was ich rieche?

nein

sehe ich

was ich fühle?

ja?

oft?

immer?

manchmal?

nie?

und, was ich schmecke?

das ist so ein Riechen

und Fühlen

gemeinsam.

schmecke ich dich?

ich höre dich

ich sehe dich

ich rieche dich

ich denke an dich.

fühlst du noch

oder siehst du schon?

hörst du nur

oder denkst du schon?

an mich?

denkst du an mich?

Einer, der denk?

Fühlt der mehr?

oder weniger?

Hilft Fühlen beim Denken?

Oder?

Denken beim Fühlen?

Verrückt

Wenn ich dich sehe

fühle ich, was ich denke

oder

denke ich,

was ich fühle?

Kompliziert!

Eine Umarmung ist,

wenn ich fühle

höre

rieche

den Duft deiner Haare

deine Haut

oder

wenn ich dich sehe

fühle ich dann

was ich höre?

rieche ich

was ich sehe

oder?

Bisher dachte ich immer:

was ich sehe

liebe ich

was ich höre

kann ich fühlen...

Nein?

Sag mir,

wie es sich

für dich anfühlt.

Magst du mich?

Wenn du mich hörst?

Wenn du mich siehst?

Alles ist so einfach

dabei

es ist alles so schwierig

oder?

woher

soll ich wissen

was ich denke

bevor ich höre

was ich sage

ich höre

ich rieche

ich sehe dich

und du mich

du mich

ich dich

da weiß ich

was du denkst

und du

was ich denke?

wirklich?

Woher weiß ich das?

Nichts weiß ich.

Nichts von dem

was du denkst

weiß ich

Klar.

Ich ahne

ich vermute

es könnte sein

aber wissen?

Nichts weiß ich!

Und du?

Weißt du

was ich denke?

Ja, Du fühlst.

Du vermutest.

Aber

weißt du es wirklich?

Wir wissen beide nicht

was wir voneinander denken.

Das bleibt geheim!

Warum ist das so?

Vielleicht, weil es langweilig wäre

wenn wir wüssten

was du über mich denkst

und ich über dich

wo blieben da die

zarten Vermutungen?

Die Hoffnung?

Das Vertrauen?

Das Salz in der Suppe.

Du siehst mich.

aber

siehst du mich an?

Du hörst mich

aber

hörst du mir zu?

Du denkst etwas über mich.

Was könnte das sein?

Ich stecke nicht in deiner Haut

und Du nicht in meiner.

Deine Augen sehen

in meine Augen

und doch

sehe ich nicht

dahinter...

zum Glück?

Zum Glück.

Wenn ich wüsste

was ich nicht weiß

wäre ich dann glücklicher?

Woher soll ich wissen

was du denkst

bevor ich höre

was du sagst?

und dann?

weiß ich auch nicht.

Nichts ist schöner als

ein Traum

ich kann ihn nicht greifen

er ist flüchtig

so ist das auch mit der Zuneigung

ich kann sie nicht festhalten

sie schwirrt um uns herum

sie ist wie ein Duft

weiß ich,

was ich denke?

höre ich,

was ich sage?

Wenn du mich umarmst

ist das nicht so wichtig?!

glaube ich...